Beeinflusst Hydration die Laktatschwelle?

Beeinflusst Hydration die Laktatschwelle?

Wer seine Ausdauerleistung ernst nimmt, kennt die Laktatschwelle. Sie ist der Punkt, ab dem die Laktatproduktion die Laktatverwertung übersteigt — und die Leistung zwangsläufig zusammenbricht. Trainiert wird, um sie nach oben zu verschieben. Was dabei kaum jemand auf dem Schirm hat: Hydratation und Elektrolythaushalt beeinflussen, wo diese Schwelle liegt — schon bei moderater Dehydratation.


Was Laktat ist und was die Laktatschwelle bedeutet

Laktat entsteht bei der anaeroben Energiegewinnung — wenn die Muskeln mehr Energie brauchen, als die aerobe Verbrennung liefern kann. Es ist kein Abfallprodukt, wie lange angenommen wurde, sondern ein Energieträger, den der Körper aktiv recyceln kann. Solange die Laktatproduktion und die Laktatverwertung im Gleichgewicht sind, kann eine Belastung aufrechterhalten werden.

Die Laktatschwelle — genauer gesagt die Laktatschwelle 2, auch anaerobe Schwelle genannt — ist der Intensitätspunkt, ab dem dieses Gleichgewicht kippt. Laktat akkumuliert, der pH-Wert im Muskel sinkt, die Muskelkontraktion wird beeinträchtigt. Wer über seine Schwelle geht, muss das Tempo reduzieren oder aufhören.

Je höher die Laktatschwelle im Verhältnis zur maximalen Sauerstoffaufnahme liegt, desto länger kann ein hohes Tempo gehalten werden. Sie ist einer der wichtigsten Leistungsparameter im Ausdauersport.


Wie Dehydratation die Laktatschwelle beeinflusst

Der Zusammenhang zwischen Hydratation und Laktatschwelle ist in der Forschung gut dokumentiert — auch wenn er in der Praxis selten thematisiert wird.

Der Mechanismus läuft über mehrere Wege:

Reduziertes Blutvolumen. Dehydratation reduziert das zirkulierende Blutvolumen. Das Herz muss schneller schlagen, um dieselbe Menge Sauerstoff zu den Muskeln zu transportieren. Bei gleicher absoluter Belastung ist die relative Herzfrequenz höher — der Körper operiert näher an seiner maximalen Kapazität. Das verschiebt den Übergang vom aeroben in den anaeroben Bereich nach unten. Die Laktatschwelle wird bei einer niedrigeren absoluten Leistung erreicht.

Verschlechterte Wärmeabgabe. Dehydratation beeinträchtigt die Schweißproduktion und damit die Fähigkeit des Körpers, Wärme abzugeben. Steigende Körpertemperatur beschleunigt den Stoffwechsel und erhöht die Laktatproduktion bei gegebener Intensität. Auch das senkt die funktionale Laktatschwelle.

Verringerte Pufferkapazität. Der pH-Wert im Blut und in den Muskeln wird durch Elektrolyte — unter anderem Bicarbonat, Natrium und Kalium — beeinflusst. Elektrolytmangel kann die Pufferkapazität des Muskelmilieus verringern, was bedeutet: Laktat führt schneller zu einer relevanten pH-Absenkung und damit schneller zur Beeinträchtigung der Muskelkontraktion.


Was die Forschung zeigt

Studien, die den direkten Einfluss von Dehydratation auf die Laktatschwelle untersucht haben, zeigen konsistent: Bereits ein Flüssigkeitsverlust von 2–3 % des Körpergewichts führt zu einer messbaren Verschiebung der Laktatschwelle nach unten. Das bedeutet in der Praxis: Die Pace, bei der ein Läufer in den anaeroben Bereich wechselt, sinkt. Die Wattleistung, bei der ein Radfahrer seine Laktatschwelle erreicht, ist niedriger. Der Sportler ermüdet schneller, bei einer Intensität, die er gut hydriert noch problemlos halten könnte.

Ein gut hydrierter Sportler kann seine Laktatschwelle nicht über das trainingsbedingte Maximum hinaus heben — Hydratation ist kein Ersatz für Training. Aber ein dehydrierter Sportler kann seine durch Training erreichte Laktatschwelle nicht ausschöpfen. Das ist der relevante Punkt.


Die Rolle von Natrium und Kalium

Natrium und Kalium sind direkt an der Muskelkontraktion und der Nervenleitung beteiligt. Natrium trägt zur normalen Muskelfunktion und zur normalen Nervenleitung bei, Kalium zur normalen Muskelfunktion.¹ Bei intensiver Belastung verschiebt sich das Natrium-Kalium-Gleichgewicht über die Muskelzellmembran — ein normaler Prozess, der bei ausreichendem Elektrolytangebot schnell zurückgesetzt wird.

Wenn Elektrolyte fehlen, dauert dieser Reset länger. Die Muskeln ermüden schneller, die Kontraktionsfrequenz nimmt ab, die Effizienz sinkt. Das ist kein direkter Einfluss auf die Laktatschwelle als Schwellenwert — aber ein indirekter Einfluss auf die Leistungsfähigkeit in dem Bereich, in dem man an der Schwelle trainiert oder wettkämpft.


Praktische Konsequenzen für Training und Wettkampf

Laktattests immer gut hydriert durchführen. Wer seine Laktatschwelle im Labor oder im Feld bestimmen lässt, sollte das in einem vollständig hydrierten Zustand tun. Ein Test mit 2 % Dehydratation zeigt eine Laktatschwelle, die nicht dem tatsächlichen Leistungspotenzial entspricht — und liefert damit falsche Trainingszonen.

Zone-2-Training und Elektrolyte. Ausdauertraining im aeroben Bereich — Zone 2 — ist das primäre Instrument, um die Laktatschwelle zu verschieben. Diese Einheiten dauern oft 60–120 Minuten. Ab 60 Minuten beginnt die Dehydratation, die Herzfrequenz bei gleicher Leistung zu erhöhen — was bedeutet, dass man ohne Elektrolyte ungewollt aus Zone 2 herausdriftet, obwohl man subjektiv dasselbe Tempo hält.

Schwellentraining und Wettkampf. Wer gezielt an oder über der Laktatschwelle trainiert — Intervalle, Tempodauerläufe, Zeitfahren — braucht einen optimalen Elektrolythaushalt, um das volle Potenzial dieser Einheiten auszuschöpfen. Dehydratation macht diese Einheiten nicht nur schwerer, sie macht sie auch weniger effektiv als Trainingsreiz.

Elektrolyte vor langen Einheiten, nicht erst danach. Wer erst nach dem Training mit dem Auffüllen beginnt, hat die Einheit bereits mit einem wachsenden Defizit absolviert. Präventive Elektrolytversorgung vor und während des Trainings ist effektiver als reaktives Auffüllen im Anschluss.


Was Elektrolyte nicht tun

Zur Klarheit: Elektrolyte heben die Laktatschwelle nicht über das trainingsbedingte Niveau. Sie sind kein leistungssteigerndes Mittel im Sinne einer direkten physiologischen Verbesserung. Was sie tun: Sie verhindern, dass Dehydratation und Elektrolytmangel die vorhandene Laktatschwelle nach unten ziehen. Der Unterschied ist wichtig — und er ist groß genug, um in Training und Wettkampf einen messbaren Effekt zu haben.


Fazit

Die Laktatschwelle ist das Ergebnis jahrelangen Trainings. Dehydratation und Elektrolytmangel können dieses Ergebnis in einer einzigen Einheit zunichtemachen — zumindest temporär. Wer seine Trainingszonen kennt, seine Laktatschwelle testet und seine Leistung im Wettkampf abrufen will, muss Hydratation und Elektrolyte als fundamentale Variable behandeln — nicht als Nebensache.

 

Weiterführende Guides:
Elektrolyte & Sport — Der ultimative Guide
Natrium vs. Magnesium: Was ist wirklich wichtig?
Hyponatriämie: Was passiert, wenn du zu viel Wasser ohne Elektrolyte trinkst
Elektrolyte & Höhentraining: Was sich ab 1.500 m verändert

 

Quellen:
¹ Zugelassene Health Claims gemäß EU-Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 — Natrium trägt zur normalen Muskelfunktion und zur normalen Nervenleitung bei. Kalium trägt zur normalen Muskelfunktion bei.
² González-Alonso J et al.: Dehydration markedly impairs cardiovascular function in hyperthermic endurance athletes during exercise. Journal of Applied Physiology, 1997.
³ Cheuvront SN, Kenefick RW: Dehydration: Physiology, assessment, and performance effects. Comprehensive Physiology, 2014.
⁴ Maughan RJ, Shirreffs SM: Dehydration and rehydration in competitive sport. Scandinavian Journal of Medicine & Science in Sports, 2010.
⁵ Hargreaves M, Spriet LL: Skeletal muscle energy metabolism during exercise. Nature Metabolism, 2020.

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